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Shanti-Kunstsitzen

Wenn sich der Krieg durch die Straßenzüge und Viertel schraubt, was bleibt mir als der Wunsch, mich in Ruhe einmal hinzusetzen, um auf der Straße ein Gespräch mit wem auch immer zu führen. Der Mann ist aus Beirut, lebt heute in Dänemark und geht mit seinen öffentlichen Stühlen auf Tournee – von Stadt zu Stadt zieht Khaled Rhamadan (DK) um die Menschen zum Verweilen aufzurufen. Nehmen Sie Platz, setzen Sie sich, es ist Zeit miteinander ins Gespräch zu kommen. Der öffentliche Raum – der Tummelplatz – hat für jeden Platz; und das ohne Konsumzwang. Man setzt sich einfach. Man rückt der Sonne nach. Man schiebt den Stuhl weiter in die Telefonzelle. Zwei Stühle haben im Schatten unweit der Bank Platz gefunden, unwissend, dass kurze Zeit danach ein Meer an Stühlen den „Ufolandeplatz“, wie die Grazer den Tummelplatz zu nennen pflegen, verwandelte. Aber nicht nur Graz, sondern ganz Österreich findet seine Sitzgelegenheit, während die Raserei weiterverfährt, die Börsen rasen auf Berg- und Talfahrten. Jeder hat ein Bleiberecht – Jetzt! Viele haben Platz genommen um gegen die andauernden Langstreckenasylverfahren zu protestieren. Eine neu-eingesessene Demonstrationskultur scheint initiiert, während der Moderator sich mit Bauchschmerzen an die politisch-uncharismatische Kursänderung blau-schwarz 99/00 zurückerinnern muss. Khaled Rhamazan hat erzählt, dass es in Beirut legitim sei auf der Strasse zu sitzen, vor dem Haus ebenso, wie vor einem Geschäft: wir sehen uns gemeinsam um: einzig einige Bettler sitzen in der Stadt, haben Platz am unbestuhlten Boden genommen. Die Frage bleibt wie Damian Le Bas' Luftgitarre im öffentlichen Raum hängen: ob „unsere Roma“ nicht mit Stühlen ausgestattet werden sollten? Mit zwei Stühlen? Man fragt sich generell nach einer Kultur des „hanging around“. Die Schülerinnen des akademischen Gymnasiums machen sich kundig, einer ruft: „Linkes Gsindl!“ aus dem Fenster. Der katholische Pfarrer horcht kurz auf - Papierflieger fliegen aus den oberen Fenstern. Andere geben sich interessiert, blättern in der bereitliegenden Zebrabroschüre. Ein Mann afghanischer Herkunft hat neben uns Platz gefunden. Er war aus Bruck angereist, wo gerade seine „Habe“ in schwarze Müllsäcke verpackt wird, seine Grundversorgung im Instanzenzug ohne aufschiebende Wirkung ausgesetzt, und er somit auf der Straße steht – nun sitzt er, in absoluter Freiheit an der Sonne. Im Nachhall lauert das Wort „Sonderbehandlung“, dass von der Saualm herüber einem Erinnerungen an eine Zeit anschreibt, die für angebliche – nicht einmal rechtskräftig verurteilte - Rechtsbrecher einen eigenständigen Anstaltskomplex begründet – . Jedermann regte sich an diesem sonnigen Tag über Haiders Sonderanstalt wie den gleichzeitigen Rechtsruck auf; jedoch war allen die Ohnmacht ins Gesicht geschrieben: auch dem feschen Muhsachmahd aus Kafiristan-Nuristan, der auf seinem Stuhl nervös hin und her rückt, seine Zeit drängt ... er weiß nicht wohin sein Stuhl wandern wird, weiß nicht, dass im Phonogrammarchiv Wien eine der größten musikethnologischen Sammlungen seiner Heimatklänge lagert, weiß nichts von den Bildern seiner Heimat, die an der Diwan -Akademie – Hainfeld 08 hingen, er muss als gänzlich unwissend bei all seiner Angst bezeichnet werden. Land of human rights hat gemeinsam mit dem steirischen herbst dem Erzherzog Johann eine irish-traveller Luftgitarre an den Arm hängen müssen, während man im Rathaus über eine luftige wir –fahren-shopping- rolltreppe durch die Herrengasse und ein hinter-rathaus-einkaufszentrum spekuliert. Die Stühle müssen nach der Aktion wieder weg, höre ich einen der Veranstalter sagen. Da stand einmal zu Studentenzeiten ein unangemeldetes Hochbett an jenem Platz; darin hatten Touristen gratis unter dem Altbürgermeister genächtigt: die Stadt hatte nichts dagegen. Der Bauerherr, übrigens Kärntner und Leiter des Forum Stadtpark, war mit dem Recht auf Liegen im öffentlichen Raum nicht weitergereist, während Khaled alteingesessen weiterzählt; dabei schließt er für einen Moment die Augen, als könne er die Vergangenheit über die Zukunft einsehen. „Walz with Bahir“, kommt auch in die heimisch-bestuhlten Kinos, während der Herbst sein golden brown der Stadt anschreibt und das LEBEN weitertanzt – es ist nicht mit 140 Sachen von der Straße geflogen. Es gibt 40 verschiedene Arten der Raserei hatte ein Sheikh darüber hinaus bekannt: übrigens: Schokolade bringt Frieden....



[Kolumne/n.nagy/08.10.2008]







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    Kolumne - n.nagy


    06.11.2017 Flüchtig

    05.10.2017 Who can it be NOW?

    01.09.2017 Kurz oder Lang

    31.07.2017 Konzentriert Euch

    20.07.2017 Kunst: eine Verantwortung

    12.06.2017 Weisses Papier

    17.05.2017 Salz im Tanz

    04.04.2017 Es wurmst

    07.03.2017 Two for Twelve

    08.08.2016 Micro Galleries

    22.07.2016 Pubculture

    21.06.2016 Spiel und die Welt

    12.05.2016 Friendly Alien

    25.04.2016 Spielfelder

    04.03.2016 WE COME AS FRIENDS

    26.02.2016 Sound the beast

    09.02.2016 Free China

    13.12.2015 Happy?

    10.11.2015 SPIELFELD

    16.10.2015 Mein K(r)ampf

    14.10.2015 Die Revolution frisst - Vereine die gerne AGs wären

    13.07.2015 Der Fremde

    10.06.2015 Vagabunden

    20.03.2015 An-Statt-TV-Land

    20.02.2015 FPF Filmpionier Bernhard Frankfurter

    28.01.2015 Zabriskie Point: davor und danach

    12.12.2014 Xmas3

    14.11.2014 Klick it

    20.10.2014 herbstpartie-y

    23.09.2014 Dort – wo uns die Sprache erfindet

    27.08.2014 Zukunft war gerade – und jetzt!

    06.06.2014 Ein Sonntag im Mai

    29.04.2014 Damals - Zeiten der Unruhe

    24.03.2014 Krieg - Art

    14.02.2014 Cooperale

    11.11.2013 Straßennarben

    10.10.2013 Das blaue Wunder - eine Brücke

    05.09.2013 Belämmert mich - nicht.

    05.08.2013 Take Care – cam me free

    06.07.2013 Kunst-Aufwertung

    03.06.2013 Über Kinder der Iris

    13.05.2013 Grundlagen. Wer lehrte die Biene?

    27.03.2013 Venedig

    08.03.2013 HAARP - Harfenspieler

    29.01.2013 Keine Angst

    06.12.2012 Der Hofer wars ...

    29.11.2012 Sieben

    08.10.2012 Flashmobbing

    07.09.2012 Club-Subculture again

    02.08.2012 Keplerkoje - Gnadenlose Flut

    25.07.2012 Zuviel Hitze

    02.07.2012 Erdbeweger

    18.05.2012 LEND WIRBELT

    10.04.2012 Sturm - Kratzer am Meer

    27.03.2012 Aufruf des Erinnerns (Iden des März)

    16.02.2012 2nd Floor - stadtmuseum

    23.01.2012 Neue Heimat

    04.01.2012 Das verborgene Museum

    29.11.2011 Bleibt Papier geduldig?

    03.11.2011 Macht Platz

    19.09.2011 Much too Much . Zuviel ist Zuviel

    02.08.2011 Gries-Gardening

    18.07.2011 Eine „Annen4elfolge“

    29.06.2011 Arbeit macht über die Freiheit der Kunst freier

    26.04.2011 ...oder dem Tanz das Töten verging

    22.02.2011 3-25 ist -23

    10.01.2011 Minus 18-25

    06.12.2010 United - und eine Diagonale

    12.10.2010 “Better Together”

    24.08.2010 Smok-ie

    27.07.2010 Grauschleier „Sport und Brötchen statt Drogen“

    07.07.2010 Urbanes Verhandeln

    31.05.2010 Es gilt die Unschuldsvermutung

    30.03.2010 Black is Black

    02.03.2010 Alles Schweigen - Shining: Ein Schubhaftgefängnis - Lager - in Vordernberg?

    02.02.2010 "Jojo"

    14.01.2010 Hotel §5 MRK

    15.12.2009 Theater der Unterdrückten - das Weltforum-Theaterfestival aus Graz

    15.11.2009 Schatz des Arif

    30.10.2009 Mur-Boal

    30.09.2009 Hanedke

    13.09.2009 Daheimatlos

    08.08.2009 Parkland

    08.08.2009 Daheimatlos

    10.06.2009 Kunst sollte man auch kaufen

    05.05.2009 Einmal Arbeit genügt.

    14.04.2009 Akademie Ortlos

    09.03.2009 Frühlingsverfolgen

    02.12.2008 Transkaukasische U-Boote

    08.10.2008 Shanti-Kunstsitzen

    12.09.2008 BECAUSE

    10.07.2008 REGIONAL (e)

    27.06.2008 Frühsommerspiele

    08.04.2008 Nico will es wissen

    05.03.2008 Alles Schall und Rauch

    05.03.2008 Die üblichen Verdächtigen

    23.02.2007 Über fall?

    05.07.2006 Bürgerwehren, Bettler und Fremde I

    04.07.2005 Nicht jeder ist eine Minderheit?

    13.06.2005 Gugi TV

    31.03.2005 Frühlingserwachen

    09.03.2005 Alles Lug ..?

    25.02.2005 Frauen in die Küche – Keller unter Wasser

    31.01.2005 „Melodie“

    25.01.2005 Amen Dschijas

    10.11.2004 Mr. President

    05.10.2004 Zeit der Zigeuner Teil II

    04.10.2004 Zeit der Zigeuner (1. Teil)

    22.09.2004 Adieu Marius

    14.09.2004 He romare!

    09.09.2004 Vielleicht kalt duschen .....

    28.07.2004 GRAZ ERZÄHLT

    21.07.2004 Aufgabe: „Alavitien“

    24.06.2004 Wie du sagen „Kassa"

    09.06.2004 Kindermusiker oder der Bürgermeister, der Pfarrer und die Diva


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