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Schichtwechsel

Wir schreiben das Jahr 2012 und die Menschheit wird nach wie vor in Schichten eingeteilt: In unfreiwillige Unterschichten, gelegentlich, aber nicht ernsthaft hadernden Mittelschichten, und selbst ernannten Oberschichten. Wissenschaftlich erwiesen befindet sich immer mehr Geld in den Händen von immer weniger Menschen. Überall nimmt die Armut zu, vollbeschäftigte Menschen verdienen nicht genug Geld, um damit auskommen zu können, ohne zusätzlich staatliche oder Unterstützungen aus privaten Initiativen annehmen zu müssen, falls die Möglichkeit überhaupt besteht. In Deutschland nehmen die Fälle von Hungerarmut zu, das wird wohl in anderen Ländern Europas nicht besser sein, weltweit hat etwa eine Milliarde Menschen nicht genug zu essen.

Wenn in England Jugendliche randalieren, Geschäfte zerstören, plündern und ihren aufgestauten Aggressionen freien Lauf lassen, weil sie keine Aussicht auf ein würdiges Leben erkennen können bei gleichzeitig täglicher Konfrontation mit grenzenlosem Reichtum, wundert man sich, dass es noch Personen gibt, die sich darüber wundern. Solche Ausschreitungen sind nicht zu begrüßen, wie Gewalt niemals ein Mittel sein sollte, um Dinge verändern zu können. Nachvollziehbar sind sie aber allemal. Bezeichnet werden diese großteils jungen Leute dann als plündernder Mob, der sich aneignet, was ihm nicht gehört. Stünde es ihm zu? Betrachten wir die Ursachen, wofür keine Lupe benötigt wird: Diese jungen Leute würden gerne arbeiten, in der Folge Geld verdienen und sich in weiterer Folge damit ihre Existenz sichern durch das Ausgeben dieses Geldes, das schließlich eine Wirtschaft in Gang hält. So abwegig sind diese Vorstellungen gar nicht, möchte man meinen. Nur werden diesen jungen Leuten diese Dinge vorenthalten.

Zum Vergleich: Manche sehr reiche Menschen nehmen aus ihren Unternehmen offenbar so viel Geld heraus, dass nicht mehr genug übrig bleibt, um die Leute, die für und in diesen Unternehmen arbeiten und sie also am Leben erhalten, so zu bezahlen, dass ein zumindest finanziell bewältigbares Leben gewährt werden kann. Die schlechte Bezahlung ist rechtlich abgesichert, also von staatlicher Seite festgelegt und abgesegnet. Steht diesen ohnehin schon reichen Menschen das Geld auch noch zu, das den Angestellten fehlt und so von einer in die andere Bredouille führt? Hier würde niemand auf die Idee kommen, von einem plündernden Mob zu sprechen, auch wenn die Anzahl der Protagonisten hier wesentlich kleiner ist. Es geht leise von statten.

Nehmen wir als naheliegenden Vergleich, wie diese Schichten miteinander verwoben sind, die menschliche Haut: Da wäre eine Schicht ohne die anderen nicht existenzfähig, der Schichtaufbau erinnert aber verblüffend unserem gesellschaftlichen. Da gibt es eine Epidermis, die liegt ganz aussen, quasi an der frischen Luft. Diese Schicht nennt sich auch Oberhaut.

Als nächste Schicht folgt die Dermis. Als interessant erscheinen hier die folgenden zwei Phänomene, die von der auch Lederhaut genannten zweiten Schicht erledigt werden: Sie dient einerseits der Ernährung und Verankerung der Epidermis und ist außerdem verantwortlich für die Temperaturregelung, die durch glatte Muskulatur und Blutgefäße gesteuert werden.

Zu unterst finden wir logischerweise die Unterhaut. Hier zitiere ich Wikipedia als Quelle für diese Informationen im Original: „Die Subcutis bildet die Unterlage für die darüberliegenden Hautschichten und enthält die größeren Blutgefäße und Nerven für die oberen Hautschichten sowie das subkutane Fett und lockeres Bindegewebe. In der Unterhaut liegen Sinneszellen für starke Druckreize.“

Diese Tatsachen sollten sich möglichst alle gesellschaftlichen Schichten einmal genauer anschauen. Nicht zufällig sind die unteren Schichten auch die so genannten bildungsfernen, bewusst von Bildung ferngehalten. Wenn die sich nämlich einmal den anatomischen Aufbau der menschlichen Haut genau anschauen würden, könnten sie ein paar Schlüsse ziehen, auf die sie anscheinend zur Zeit nicht wirklich kommen, noch nicht. Da würden sie nämlich bemerken, dass die Druckreize, denen sie tagtäglich ausgesetzt und die unerträglich geworden sind, nicht wirklich Notwendigkeit haben. Sie würden auch realisieren, dass sie als einzelne wohl nicht viel Wertschätzung erfahren und also nicht viel wert sind, wie sie es auch tagtäglich verspüren, aber in der Masse eine Basis bilden, die eben jene Unterlage für die obere Schichten darstellt und bei Entzug dieser Unterlage eine Macht verkörpern können, die die sogenannten Oberschichten ein wenig nachdenklich stimmen sollte.




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[Kolumne/Walter Schaidinger/27.06.2012]







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