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Schnee von Gestern II

Schnee von Gestern II

In quixotischer Weise gegen das Wüten der Zwänge des "24-hour-news-cycle" gerichtet, erinnert "Schnee von Gestern" an innenpolitische Skandale und Blödheiten von vor ein-zwei Jahren, die ebenso konsequenzlos aus dem Content der Tagespresse verschwunden wie atmosphärisch weiterhin wirksam sind. Diesmal:

Die Richterin und ihr Graf

Claudia Bandion-Ortner, Heldin des BAWAG-Prozesses, mit Georg Elsners Herzkranzgefäßen geschmückt wie weiland Herkules mit dem Fell des nemäischen Löwen; die nahezu völlig parteifreie "Frau vom Fach" im Justizminiterium, bekannt dafür, ihre Meinung zu kritischen Fragen (Justizreform) höchstens 1-2 Mal zu ändern, bevor das souveräne "Jein" der Gott- wie Pröll-gewollten Stagnation sich ihr als urwüchstigster Ausdruck solcher Parteifreiheit entringt; Claudia "Brillenmode" Bandion-Ortner also hatte eine Frage an den Europäischen Gerichtshof, den Grafen betreffend.

Ob es denn wirklich nötig sei, ihm, dem Grafen, hierzulande den Prozess wegen Korruptionsverdachts zu machen, wollte sie wissen, wo doch ein Verfahren in der selben Causa gegen ihn in England eingestellt worden sei und mithin - man wird doch noch fragen dürfen - qua "Doppelbestrafungsverbot" gegebenenfalls ein 1A-Vorwand vorliege, der geschundenen (Reform!) Justiz die viele Arbeit zu ersparen. That is, ohne international wie eine Bananenrepublik dazustehen, in der eine Clique von g'stopften Scheinkatholen sich aber auch wirklich alles erlauben kann, wozu sie vom heiligen Geist inspiriert bzw. grade lustig ist.


Wäre auch wirklich blöd, ihn, den Förderer von Großwild und -kaliber, von kaufmännischem und politischem Talent im In- und Ausland (wie mancher Jagdfreund im Ministerialrats-Rang und mancher Soldateska-Häuptling sicher gern bestätigen wird, Anonymität und eine kleine Spende für den guten Zweck vorausgesetzt), den Grafen also, der nicht zuletzt auch Ehemann von Maria "Auf die Straße zieht nur der Pöbel" Rauch-Kallat ist, summa summarum: Dieses liebenswerte Original in Harris-Tweed und Loden vor Gericht gestellt und ggf. verurteilt sehen zu müssen. Es handelt sich bei dieser Empfindung selbstverständlich nur um verständliche Sorge um die Arbeitslast der Justiz, die wahrlich Wichtigeres zu tun hat (Justizreform!).

Denn: Bloß unösterreichische Zyniker bringen es fertig, zu vermuten, es gingen da diverse einflußreiche Ärsche auf Grundeis bei dem Gedanken an eine allfällige beeidete Aussage des Grafen vor einem österreichischen Gericht, und weniger patschert hätte es Brillen-Claudschi eben nicht fertiggebracht, sich der Sache (in der sie zwar an sich, laut nationalem Recht und laut OECD-Standards, nicht zuständig, aber glücklicherweise trotzdem weisungsfähig ist) anzunehmen.

Wie es in der Natur dieser kleinen Artikelserie liegt, die ja nicht umsonst "Schnee von Gestern" heißt, ist die beschriebene Grafen-Frage von Claudia "Justizreform" Bandion-Ortner schon im Sinn des Journalismus verjährt. Ganz anderer Blödsinn böte sich an, um sich über sie ein bisserl tagesaktueller lustig zu machen - den Stichworten "Mafiaparagraph" und "TierschützerInnen-Prozess" ist inzwischen zB zuzutrauen, ganz ohne Text rundherum jenes Hohngelächter zu evozieren, das Satire sonst "in mühevollster Kleinarbeit" (Xerox-Detlev zu Guttenberg) hervorzukitzeln bemüht ist.

Doch ist, was ist, nie ohne Geschichte. In unserem Fall gilt vielleicht auch: Dass diese Geschichte, der sich im Fall Bandion das aktuell Vorliegende (dh. die ganze Welt an justizieller Lustigkeit, die unter "Mafiaparagraph" sich subsummieren lässt) verdankt, gerade eine Geschichte der Geschichtsvergessenheiten ist. Welchem Handicap zivilen Diskurses "Schnee von Gestern" gerne abhilft. Bitte. Gern geschehen.

...




[Artikel/S.Schmitzer/29.03.2011]







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