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Meine Oma und das Weihnachtsgeschäft 2012

Jetzt hab ich mir mit der Oiden, also der Liebsten, also der Kindsmutter ausgemacht, dass wir mal, wenn Zeit ist, mit'nander eine Text-und-Graphik-Sache machen, Planziel Buchform, zwecks dass wir auch einmal gemeinsam arbeiten, nicht immer bloß die alten Tisch- & Bett- & Aufzucht-Sachen teilen.

Dann haben wir was anderes geredet: Weg'n'm Geld das fehlt, et cet. Dann haben wir verknüpft: Die o.g. Text-und-Graphik-Sache, dann mal, nächstes Jahr und so, nicht jetzt, die habe durchaus der Gegebenheit des Weihnachtsgeschäfts sich anzupassen, irgendwie. Ohne langweilig, und blöd, und so zu werden.

Daraufhin war gleich noch was. Keine Ruhe war. Ins Halbsekunden-Einverständnis klingelte das Telefon: Meiner Oma ihr Kreislauf war im Eck, berichtete die Mama, ihre Tochter. Da wurde ein Familienessen abgesagt. Da war ich fahrig, sorgenvoll, und aber nicht zu sehr. Weil: Es fügte sich auch dieses der Verknüpferei.

Wieso? - Weil meine Oma, also objektiv argumentierbar, die allerallerbeste Köchin ist. Und was brauch ich von ihr, wenn nicht mehr klar ist, ob sie jeden Sonntag für uns kocht? - Rezepte und Erfahrungswerte, Crashkurs auch für diesen oder jenene Schnitt und Handgriff. Dritte Frage: Was geht besonders gut im Buchhandel vor Weihnachten (kleiner Tipp: Die aktuelle Lyrik isses eher nicht)?

So wurde denn beschlossen, von der Oiden, Liebsten, Kindsmutter und mir: Wir machen mal, wenn Zeit ist, nicht sofort, ein Text-und-Graphik-Ding mit ästhetisch-diskursivem Mehrwert einer- und der Oma ihrer Küche ihrem Best Of andrerseits.


Das sind dann: Nierndln insbesondere, mit Spätzle, nicht die grauslichen sauren mit Gurkerln dazu, die man im Gasthaus höchstens kriegt. Zweitens Topfenpalatschinken ausm Rohr. Drittens Apfekschlankl. Viertens das Bauchfleisch mit em Apfelkrenn. Fünftens: Das Mysterium ihrer Hendlsuppen. Und so weiter. Das kaufen uns die Leute ab, in Scharen.

So wurde das beschlossen, so saß man. Dann stieg mir auf: Wie vielfach deprimierend das eigentlich ist. Erstens: Da ham' wir eine Oma, und die kocht besser als die ganzen Kasperln, die man aus Fernsehen, Rondo, Falter-Restaurantkritik und Gault Millaun kennt. Und kriegt aber bloß ein bissl Hinterbliebenenpension, statt (zB) schicker Ruhmes-Hauben. Das ist, weil: Ist halt immer noch male-dominated, diese Scheißwelt. Wenn Kerle kochen können, setzt es Geld und/oder Ehre, mindestens Befreiung vom Abwasch. Wenn Frauen kochen können - ja und? Zweitens: Daß die Oide, also Liebste, also Kindsmutter und ich, um mal zusammen was zu arbeiten, aufs Weihnachtsgeschäft Zwo-Zwölf schielen müssen, weil sonst zuviel Erwerbsarbeitszeit beim Teufel wäre, was wir uns nicht so richtig leisten könnten. Drittens: Dass es sich rechnet, mit der Oma ihrer Küche Familienzeug, und also gut verdrängte Sehnsucht-nach-Familienzeug auf LeserInnenseite, in die Produktion von Text hineinzutragen.

Dann nahm die Liebste mich in' Arm, als ich das alles aussprach. Lachte mich knapp und freundlich aus. So musste ich mich selber trösten: Dass die Verkündigung und Durchsetzung des einzig richtigen Rezepts für Nierndln dieses alles - also was da mitschwingt, wenn wir in dieser Weise Bücher und Familienleben machen - locker aufwiegt.

Bücher und Familienleben nämlich, nichtwahr: Bourdieu lässt grüssen, oder? "Kultur" im Sinn des alten Affen mit den vielen Armen, der uns bei der Stange hält... So seufzte ich noch einmal. Dann sprach die Liebste leise Worte. Dann krähte das Kind herein. Dann fuhren wir zur Oma.


...




[Artikel/S.Schmitzer/19.01.2011]







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