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"Jojo"

Das Wort „JoJo“, sagte ihm die Sprachtrainerin, würde es im deutschen Sprachschatz nicht geben. Das verwunderte unseren Asylwerber, der dieses „JoJo“ tagein, tagaus hörte: im Bus, der Straßenbahn, die Selbstrezitierenden im Park murmelten es, Hallophonierende und viele der Beamtenschaften gaben es Anfragenden zur Antwort. Die doppelte Bejahung musste offenbar mit einer grundsätzlichen Entscheidungsschwäche gegenüber der Bejahung zu tun haben, oder konnte man annehmen, dass es etwas Ur-steirisches war? Der Afrikaner aus Gabun zeigte sich jedenfalls verwundert. Die Germanistin schüttelte den Kopf und ging mit auserwählterem Vokabular weiter. Beteuerte nicht einmal ein ungarischer Zigeuner, dass „Jo“ gut, dass „Jojo“ „Gutgut“ bedeuten würde, womit man grundsätzlich Gutes annehmen könnte, stand da nicht Belanglosigkeit im Raum, eine Anteilnahmslosigkeit über den Nachhall der Aussprache hinüber. „Jojo“ hatte fast immer auch etwas Besänftigendes, Beruhigendes – ein Schulter tätscheln, nicht besonders ernst gemeint, um nach diesem Doppler gleich wieder die Verneinung möglich zu machen. Jojo, so wurde der Schwarzafrikaner zwischenzeitig genannt, er der dieses „Jojo“ in sich aufgenommen hat, das sich über ihn auf- und abspult. Man sollte das Ganze vielleicht als kindhaftes Auf-Ab betrachten, würde da nicht die grundsätzliche Gefährdung eines Menschen im Raum stehen, dem bei allem Bemühen um Integration die Angst vor seiner Zukunft ins Gesicht geschrieben steht - nach sieben Jahren Aufenthalt. Das letzte Mal traf ich Jojo im Jesuitenkollegium der alten Universität, wo gleich dreimal der Menschenrechtspreis des Landes Steiermark vergeben wurde. Das ETC for Human Rights kannte ich noch vom Studium her, an der Megaphon-Uni hatte ich Jojo als gewissenhaften Studenten kennen gelernt, der Offizier Oswald erinnerte sich an die eigene Kindheit, gegenüber der Belgierkaserne wohnend, den Panzerkolonnen folgte und rein-nichts von den Erschießungen wusste. Jojo machte neben dem Landeshauptmann eine sportliche Figur, zeigte Haltung, als Ernst Marianne Binder gegenüber Egon Kapellari „Am Anfang war das Wort“ zitierte, um selbst die Sprache und den verbundenen Sprachverlust in die erweiterte Pflicht zu nehmen. Der vormalige Studentenseelsorger hatte diesmal geschwiegen, die Sprache hat er nicht verloren. Binder schaffte den dramatischen Kreislauf bis zu Schwab und sah sprachunfähige Blechbüchsen über rechtes Schwanzwedeln spekulativ daherklappern. Der Wahrheit ins Auge zu sehen tat gut. Das Wort innerhalb seiner eigensten Verantwortung. Wir mussten die Sprachaufforderung bedingungslos hinnehmen, wie jene Unschärfen in den Bildern jener Ausstellung in der Camera Austria die diesmal mehr „Grauzonen“ bewirkte; aufgeblasene Größe ist nicht genug, Mann kam sich teilnahmslos jener nicht mehr ganz zeitgemäßen Fotografie-Kunst gegenüber vor. Es hat wohl mit einem Intendantenwechsel zu tun, die gut beraten gewesen wäre Jojos Foto-Diary menschlich zu sehen. Beirut kommt in dieser Ausstellung fast ohne die Menschen aus und beinahe wäre mir jenes „Jojo“ ausgekommen, einem südsteirischen Fotografen hinterher, der auch in der stoffweißen Needle die Bahnen verfolgte. In einer Vision sah ich eine Moschee aus jenen weißen Stoffbahnen, deren Ornamentik mich wieder zum Vortrag von Binder in die Alte Universität zurück führte, der grundsätzlich als Atheist Minarette propagierte – darum konnte es bei soviel Stoffbahnen weder hier noch dort nicht gehen. Die bosnische Architektin, selbst aus Sarajewo geflüchtet, war bedauerlicherweise nicht anwesend. Sie hat es zwischenzeitig auf eine amerikanische Elite-Universität geschafft, ihre Kleidermoschee ist hierzulande hoffentlich nicht in Vergessenheit geraten. Jojo konnte heute den Menschenrechtspreis der Megaphon-Uni in der Hand halten, wie er schon letztes Jahr den Menschenrechtspreis für Baodo in der Hand gehalten, wie er 2003 für Österreich Gold im Homeless-Worldcup holte. Trotzdem kann er seinem Gießkannenprinzip nur wenig Licht nachsetzen. Nun greift er selbst zur Kamera und betrachtet die Umstände zweimal, nachhaltiger als die meisten Verantwortungsbewussten. Die Rede Binders ist also für die Neujahrsansprache nächstes Jahr aufgezeichnet – Jojo wird nach dem jährlichen Sylvesterlauf noch etwas verschwitzt sein.
Seine „Lebensstraßenbilder“ sind gerade in der Ganggalerie bei Isop zu sehen....




[Kolumne/n.nagy/02.02.2010]







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    Kolumne - n.nagy


    06.11.2017 Flüchtig

    05.10.2017 Who can it be NOW?

    01.09.2017 Kurz oder Lang

    31.07.2017 Konzentriert Euch

    20.07.2017 Kunst: eine Verantwortung

    12.06.2017 Weisses Papier

    17.05.2017 Salz im Tanz

    04.04.2017 Es wurmst

    07.03.2017 Two for Twelve

    08.08.2016 Micro Galleries

    22.07.2016 Pubculture

    21.06.2016 Spiel und die Welt

    12.05.2016 Friendly Alien

    25.04.2016 Spielfelder

    04.03.2016 WE COME AS FRIENDS

    26.02.2016 Sound the beast

    09.02.2016 Free China

    13.12.2015 Happy?

    10.11.2015 SPIELFELD

    16.10.2015 Mein K(r)ampf

    14.10.2015 Die Revolution frisst - Vereine die gerne AGs wären

    13.07.2015 Der Fremde

    10.06.2015 Vagabunden

    20.03.2015 An-Statt-TV-Land

    20.02.2015 FPF Filmpionier Bernhard Frankfurter

    28.01.2015 Zabriskie Point: davor und danach

    12.12.2014 Xmas3

    14.11.2014 Klick it

    20.10.2014 herbstpartie-y

    23.09.2014 Dort – wo uns die Sprache erfindet

    27.08.2014 Zukunft war gerade – und jetzt!

    06.06.2014 Ein Sonntag im Mai

    29.04.2014 Damals - Zeiten der Unruhe

    24.03.2014 Krieg - Art

    14.02.2014 Cooperale

    11.11.2013 Straßennarben

    10.10.2013 Das blaue Wunder - eine Brücke

    05.09.2013 Belämmert mich - nicht.

    05.08.2013 Take Care – cam me free

    06.07.2013 Kunst-Aufwertung

    03.06.2013 Über Kinder der Iris

    13.05.2013 Grundlagen. Wer lehrte die Biene?

    27.03.2013 Venedig

    08.03.2013 HAARP - Harfenspieler

    29.01.2013 Keine Angst

    06.12.2012 Der Hofer wars ...

    29.11.2012 Sieben

    08.10.2012 Flashmobbing

    07.09.2012 Club-Subculture again

    02.08.2012 Keplerkoje - Gnadenlose Flut

    25.07.2012 Zuviel Hitze

    02.07.2012 Erdbeweger

    18.05.2012 LEND WIRBELT

    10.04.2012 Sturm - Kratzer am Meer

    27.03.2012 Aufruf des Erinnerns (Iden des März)

    16.02.2012 2nd Floor - stadtmuseum

    23.01.2012 Neue Heimat

    04.01.2012 Das verborgene Museum

    29.11.2011 Bleibt Papier geduldig?

    03.11.2011 Macht Platz

    19.09.2011 Much too Much . Zuviel ist Zuviel

    02.08.2011 Gries-Gardening

    18.07.2011 Eine „Annen4elfolge“

    29.06.2011 Arbeit macht über die Freiheit der Kunst freier

    26.04.2011 ...oder dem Tanz das Töten verging

    22.02.2011 3-25 ist -23

    10.01.2011 Minus 18-25

    06.12.2010 United - und eine Diagonale

    12.10.2010 “Better Together”

    24.08.2010 Smok-ie

    27.07.2010 Grauschleier „Sport und Brötchen statt Drogen“

    07.07.2010 Urbanes Verhandeln

    31.05.2010 Es gilt die Unschuldsvermutung

    30.03.2010 Black is Black

    02.03.2010 Alles Schweigen - Shining: Ein Schubhaftgefängnis - Lager - in Vordernberg?

    02.02.2010 "Jojo"

    14.01.2010 Hotel §5 MRK

    15.12.2009 Theater der Unterdrückten - das Weltforum-Theaterfestival aus Graz

    15.11.2009 Schatz des Arif

    30.10.2009 Mur-Boal

    30.09.2009 Hanedke

    13.09.2009 Daheimatlos

    08.08.2009 Parkland

    08.08.2009 Daheimatlos

    10.06.2009 Kunst sollte man auch kaufen

    05.05.2009 Einmal Arbeit genügt.

    14.04.2009 Akademie Ortlos

    09.03.2009 Frühlingsverfolgen

    02.12.2008 Transkaukasische U-Boote

    08.10.2008 Shanti-Kunstsitzen

    12.09.2008 BECAUSE

    10.07.2008 REGIONAL (e)

    27.06.2008 Frühsommerspiele

    08.04.2008 Nico will es wissen

    05.03.2008 Alles Schall und Rauch

    05.03.2008 Die üblichen Verdächtigen

    23.02.2007 Über fall?

    05.07.2006 Bürgerwehren, Bettler und Fremde I

    04.07.2005 Nicht jeder ist eine Minderheit?

    13.06.2005 Gugi TV

    31.03.2005 Frühlingserwachen

    09.03.2005 Alles Lug ..?

    25.02.2005 Frauen in die Küche – Keller unter Wasser

    31.01.2005 „Melodie“

    25.01.2005 Amen Dschijas

    10.11.2004 Mr. President

    05.10.2004 Zeit der Zigeuner Teil II

    04.10.2004 Zeit der Zigeuner (1. Teil)

    22.09.2004 Adieu Marius

    14.09.2004 He romare!

    09.09.2004 Vielleicht kalt duschen .....

    28.07.2004 GRAZ ERZÄHLT

    21.07.2004 Aufgabe: „Alavitien“

    24.06.2004 Wie du sagen „Kassa"

    09.06.2004 Kindermusiker oder der Bürgermeister, der Pfarrer und die Diva


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