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Daheimatlos

Die Nase voll haben, war nur einer der nicht-viel-sagenden Sprachsplitter in einer Podiumsdiskussion um den Sigmundstadl-Callcenter. Ob ein Call-Center identitätsstiftenden Charakter haben könnte und was tatsächlich wieder einmal seit Jahren unter den Asphalt gekehrt wird, ist eine andere Geschichte. Der Vorschlag kriminelle Dealer abzuschieben wird zwar als Lösung beklatscht, Vergleichsstudien bleiben dennoch unberücksichtigt und Erfahrungswerte finden kaum Eingang in den Diskurs. Imaginäre Streetworker finden keinen Ausweg, wo Ordnungswächter keinen Zugang gefunden und der operative Charakter samt Verantwortlichkeit die Zeit verschläft, wodurch eine Familie zerrissen – Mutter und Kind in die Flucht getrieben. Angst reagiert daheim ebenso und wird zum Fluchtgrund. Bedrohung erfuhr der Asylwerber ebenso wie die Heimischen; die Umkehr der Umstände. Wenn sich das Blatt wendet und Familien zerrissen werden schweigt das System, vieles scheint im ersten Moment unglaubwürdig und dennoch verlassen Menschen ihr Daheim. Die Mutter mit Kind ist nur noch als Bild der Erinnerung vorhanden, ihre Stimme Geschichte, obwohl sie Jahre hier lebte. Nun lebt sie an der irischen Westküste, fernab der Deals vor ihrer Haustür. Dort sei endlich Ruhe eingekehrt und die permanente Spannung einer manifesten Bedrohung hat sich im Einklang der Gezeiten ihrer alten-neuen Heimat verzogen. Ihr Portrait bleibt zeitlos, wie die Bilder in dem Maleratelier ihres Mannes, die sich mehr Aufmerksamkeit verdient hätten – das großflächige Tryptichon einer verschwommenen Heimatstadt Graz. Aber hier verlieren sich Kunstbezug und kulturvermittelnder Anspruch gerade. Nachhaltigkeitsdefinitionen stehen im verhandelnden Raum eben jener Finanzierungsdebatten die einer Menschenrechtshauptstadt unwürdig. Egal, ob der blondlockige Fotograf, gerade aus Kuba zurück, stöhnt, das die Fotografie eben nur mehr über die Camera Austria abverhandelt und den steirischen Fotografen das Überleben noch schwerer macht; die harte jahrelange Arbeit für Publizität scheint „daheimatlos“ geworden zu sein. Das AAI-Foyer bringt seine Reportage, ein lebendiger Reigen an Farben, der sich durch die Antillengesichter zieht, während der Fotograf ernsthaft erwägt nach Kuba abzuwandern. Aus ihrem anatolischen thematischen Hintergrund heraus kommt die Wiener Regisseurin Emel Heidreich mit Karawane - acht Fluchtgeschichten nach Graz. Eine Mauer wird, wie mir die Proben in Wien Ottakring unweit der Brunnenpassage zeigten, mit den bloßen Händen von einer zarten Aisha zerlegt, um den Dorfidioten ordentlich ins Gesicht zu sehen. Hier geht es nicht um Kriminalstatistiken über Asylwerber, die sowieso rückläufig, sondern um die Schuldfrage des Daseins der Daheimatlosen innerhalb ihrer neuen Heimat, sowie die brennenden Fragen zur Flucht davor. Cocon bringt Ende September das Stück auf die Bühne des TTZ, während die Vorbereitungen zum Thema Bleiberecht und Sesselmeer anlaufen. Der öffentliche Platz mit Ban-Stühlen, die Bühne mit Schachteln zum Daheimatlos gestaltet. Gerade wird diskutiert, ob nicht namhaftere Persönlichkeiten wie Kommissar Rex oder Michael Harnoncourt das Podium unterstützen, während Rudi Widerhofers Rede am Grazer Tummelplatz einen Tag vor Jörg Haiders Tod noch immer herbstheiß aktuell geblieben ist. Ob Moretti, den ich schon einmal die Verträge zu einer ordendlichen Pasta schreiben durfte kommt, bleibt offen. Aber die Tiroler Grissemann und Schwarz sind herbstzeitlos angesagt, während ein unbekanntes Paar Schuhe in der Hofgasse aktionistisch vor sich hinschaukelt. Schuhe im daheimatlosen Herbsthimmelwind.

Bild: Manfred Url
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[Kolumne/n.nagy/08.08.2009]







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    Kolumne - n.nagy


    06.11.2017 Flüchtig

    05.10.2017 Who can it be NOW?

    01.09.2017 Kurz oder Lang

    31.07.2017 Konzentriert Euch

    20.07.2017 Kunst: eine Verantwortung

    12.06.2017 Weisses Papier

    17.05.2017 Salz im Tanz

    04.04.2017 Es wurmst

    07.03.2017 Two for Twelve

    08.08.2016 Micro Galleries

    22.07.2016 Pubculture

    21.06.2016 Spiel und die Welt

    12.05.2016 Friendly Alien

    25.04.2016 Spielfelder

    04.03.2016 WE COME AS FRIENDS

    26.02.2016 Sound the beast

    09.02.2016 Free China

    13.12.2015 Happy?

    10.11.2015 SPIELFELD

    16.10.2015 Mein K(r)ampf

    14.10.2015 Die Revolution frisst - Vereine die gerne AGs wären

    13.07.2015 Der Fremde

    10.06.2015 Vagabunden

    20.03.2015 An-Statt-TV-Land

    20.02.2015 FPF Filmpionier Bernhard Frankfurter

    28.01.2015 Zabriskie Point: davor und danach

    12.12.2014 Xmas3

    14.11.2014 Klick it

    20.10.2014 herbstpartie-y

    23.09.2014 Dort – wo uns die Sprache erfindet

    27.08.2014 Zukunft war gerade – und jetzt!

    06.06.2014 Ein Sonntag im Mai

    29.04.2014 Damals - Zeiten der Unruhe

    24.03.2014 Krieg - Art

    14.02.2014 Cooperale

    11.11.2013 Straßennarben

    10.10.2013 Das blaue Wunder - eine Brücke

    05.09.2013 Belämmert mich - nicht.

    05.08.2013 Take Care – cam me free

    06.07.2013 Kunst-Aufwertung

    03.06.2013 Über Kinder der Iris

    13.05.2013 Grundlagen. Wer lehrte die Biene?

    27.03.2013 Venedig

    08.03.2013 HAARP - Harfenspieler

    29.01.2013 Keine Angst

    06.12.2012 Der Hofer wars ...

    29.11.2012 Sieben

    08.10.2012 Flashmobbing

    07.09.2012 Club-Subculture again

    02.08.2012 Keplerkoje - Gnadenlose Flut

    25.07.2012 Zuviel Hitze

    02.07.2012 Erdbeweger

    18.05.2012 LEND WIRBELT

    10.04.2012 Sturm - Kratzer am Meer

    27.03.2012 Aufruf des Erinnerns (Iden des März)

    16.02.2012 2nd Floor - stadtmuseum

    23.01.2012 Neue Heimat

    04.01.2012 Das verborgene Museum

    29.11.2011 Bleibt Papier geduldig?

    03.11.2011 Macht Platz

    19.09.2011 Much too Much . Zuviel ist Zuviel

    02.08.2011 Gries-Gardening

    18.07.2011 Eine „Annen4elfolge“

    29.06.2011 Arbeit macht über die Freiheit der Kunst freier

    26.04.2011 ...oder dem Tanz das Töten verging

    22.02.2011 3-25 ist -23

    10.01.2011 Minus 18-25

    06.12.2010 United - und eine Diagonale

    12.10.2010 “Better Together”

    24.08.2010 Smok-ie

    27.07.2010 Grauschleier „Sport und Brötchen statt Drogen“

    07.07.2010 Urbanes Verhandeln

    31.05.2010 Es gilt die Unschuldsvermutung

    30.03.2010 Black is Black

    02.03.2010 Alles Schweigen - Shining: Ein Schubhaftgefängnis - Lager - in Vordernberg?

    02.02.2010 "Jojo"

    14.01.2010 Hotel §5 MRK

    15.12.2009 Theater der Unterdrückten - das Weltforum-Theaterfestival aus Graz

    15.11.2009 Schatz des Arif

    30.10.2009 Mur-Boal

    30.09.2009 Hanedke

    13.09.2009 Daheimatlos

    08.08.2009 Parkland

    08.08.2009 Daheimatlos

    10.06.2009 Kunst sollte man auch kaufen

    05.05.2009 Einmal Arbeit genügt.

    14.04.2009 Akademie Ortlos

    09.03.2009 Frühlingsverfolgen

    02.12.2008 Transkaukasische U-Boote

    08.10.2008 Shanti-Kunstsitzen

    12.09.2008 BECAUSE

    10.07.2008 REGIONAL (e)

    27.06.2008 Frühsommerspiele

    08.04.2008 Nico will es wissen

    05.03.2008 Alles Schall und Rauch

    05.03.2008 Die üblichen Verdächtigen

    23.02.2007 Über fall?

    05.07.2006 Bürgerwehren, Bettler und Fremde I

    04.07.2005 Nicht jeder ist eine Minderheit?

    13.06.2005 Gugi TV

    31.03.2005 Frühlingserwachen

    09.03.2005 Alles Lug ..?

    25.02.2005 Frauen in die Küche – Keller unter Wasser

    31.01.2005 „Melodie“

    25.01.2005 Amen Dschijas

    10.11.2004 Mr. President

    05.10.2004 Zeit der Zigeuner Teil II

    04.10.2004 Zeit der Zigeuner (1. Teil)

    22.09.2004 Adieu Marius

    14.09.2004 He romare!

    09.09.2004 Vielleicht kalt duschen .....

    28.07.2004 GRAZ ERZÄHLT

    21.07.2004 Aufgabe: „Alavitien“

    24.06.2004 Wie du sagen „Kassa"

    09.06.2004 Kindermusiker oder der Bürgermeister, der Pfarrer und die Diva


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