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Hotel §5 MRK

Ein Traum eines Hotels, der sich längst bewahrheitet hatte. Eine offene Einheit im Kommen und Gehen. Die Zimmer nach Regionen der Welt ausgerichtet, bewohnt und gestaltet. Der Kaukasus ist ebenso vertreten wie der Balkan, das anatolische Hochland, ein Marrokaner mit dem „Schweigen des Lichtes“ unter dem Arm, ein Tamile, der nach einem indischen Restaurant schielt, flimmernde mongolische Hügelketten, ein stiller Iraker mit mandelbraunen Augen, afghanische Teppiche dahinter. Ein Junge, der Pilot werden möchte, der „Felice navigat“ singt. Ein Äthiopier mit seinen aus der Lederarbeit in der Provinz verätzten Händen, war zwischenzeitig nach London weiter gezogen. Die Stockwerke lösen sich abwärts auf. Die Wirtin schwirrt mit Tagesgästen durchs Haus an der Portierloge vorüber, wo nach Michael nun Jesus selbst Platz genommen hat, das Gesicht aus einem alten byzantinischen Mosaik entstiegen. Ähnlichkeiten haben stets etwas mit Erkennen zu tun, ebenso die Namensgleichnisse. „Gasparian“ etwa, der dem Nachspann der letzten Versuchung Christi entstiegen, ein armenischer Musiker; dann „Yaghobi“ eine persische Teppichhändlerdynastie, oder „Karimi“ – ein alteingesessener Laden aus der Luthergasse. Das Dal duftet, vielseitigste Linsengerichte verweisen auf eine kurdische Hochzeit hin - diesmal am Screen, während ein Türke mit Krücken einer tschetschenischen Witwe hinterher humpelt. Sie hatten ihm das Bein mehrfach gebrochen, ihm, der Gastwirt gewesen war. Diesmal kocht er Chai. Eine Tibeterin lächelt über ihre legale Au-pair-Stelle. Die Grand Madame ist vom Akkordeon auf ein E-Piano umgestiegen. Ihre Katze schnurrt zu den harmonischen Tonlagen eines mexikanischen Volksliedes. Kochbananen fliegen mit den dunkelhäutigen Kindern durch die unteren Stockwerke und Mütter haben ihre Kinder in einer Galerie ausgestellt; eine kniet vor ihren Kindern, als ob sie den Ramadan nachholen würde ... Für Reisende, Hungrige 24 hours geöffnet. Eine mehrsprachige Bibliothek ist im Laufe der Jahre entstanden. Russische Klassiker sind dort ebenso vertreten, wie Bücher des Castrum Peregrini, eine unsichtbar verdrängte Schicht an Buchrücken in den verschiedensten Sprachen und Poesien, ebenso Deutsch und die Weltsprachen. Eine ausländische staatliche Delegation begutachtet die Vorgänge, dokumentiert penibel den Ablauf im Hotel und übersetzt – das Hotel – weiter nach Korea. Die buntgemischten Kinder schwirren ins nahe Schwimmbad. Ein Klavier anstatt dem Boxring – die Musikschule in unmittelbarer Nähe beruhigt die Vorübereilenden. Lernen voneinander ist „groß geschrieben“, Mit-ein-ander eine Devise geworden. Ethnologisch wie kulturanthrolologisch ist das „Hotel“ als Chance zu sehen; Hotels haben multifunktionale Offenheit, wie diese: eine Schule zu beinhalten, eine Mediathek samt angrenzenden Videoraum. „International“ steht am Dachfirst – einem Airport gleich – darunter ein Schriftzug der den Artikel 5 der Menschenrechte zitiert. An das Hotel sind Werkstätten und Handwerksbetriebe angeschlossen: Schneiderei, Tischlerei, zwei Ateliers und die Kunstwerkstatt, daneben ein I-Netraum. Weiter hinten befindet sich eine Buchbinderei. Zweimal wöchentlich finden von der Universität veranstaltete Seminare statt, ebenso werden Sprachkurse angeboten. Nicht Zwangsverpflichtung steht dabei im Vordergrund, ebenso die Freiheit ins Dampfbad zu gehen. Das Hotel besitzt einen eigenständigen ökologischen Fuhrpark an Fahrrädern, um gerade dem Bewegungsbedürfnis ein erhöhtes Augenmerk zuzugestehen. Auch wenn es sich um einen nahezu autonomen Stadtteil handelt, so ist auch die Stadt dahinter „all inclusive“ offen. Im Umfeld haben sich Gewerbebetriebe angesiedelt, die von den Hotelgästen profitieren. Der Raum der Stille im zweiten Stock des Hotels bietet überkonfessionelle Rückzugsmöglichkeiten und kontemplative architektonische Schönheit. Worte wie „Lager“ wurden schon aufgrund der Hotelordnung abgeschafft. Die Aussicht und Nutzung der Dachterrasse durch Sonnenhungrige ist mehr als nur erwünscht. Im Ballsaal mit eigenständiger Bar und Bühne werden laufend Hochzeiten, Geburtstagsfeiern und andere Festivitäten abgehalten. Das integrative Konzept wird nun über den Standort hinaus weiter erprobt. Nichts ist erfunden. Es war längst gewesen, nur wiederum abgeschafft....



[Kolumne/n.nagy/14.01.2010]







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    Kolumne - n.nagy


    06.11.2017 Flüchtig

    05.10.2017 Who can it be NOW?

    01.09.2017 Kurz oder Lang

    31.07.2017 Konzentriert Euch

    20.07.2017 Kunst: eine Verantwortung

    12.06.2017 Weisses Papier

    17.05.2017 Salz im Tanz

    04.04.2017 Es wurmst

    07.03.2017 Two for Twelve

    08.08.2016 Micro Galleries

    22.07.2016 Pubculture

    21.06.2016 Spiel und die Welt

    12.05.2016 Friendly Alien

    25.04.2016 Spielfelder

    04.03.2016 WE COME AS FRIENDS

    26.02.2016 Sound the beast

    09.02.2016 Free China

    13.12.2015 Happy?

    10.11.2015 SPIELFELD

    16.10.2015 Mein K(r)ampf

    14.10.2015 Die Revolution frisst - Vereine die gerne AGs wären

    13.07.2015 Der Fremde

    10.06.2015 Vagabunden

    20.03.2015 An-Statt-TV-Land

    20.02.2015 FPF Filmpionier Bernhard Frankfurter

    28.01.2015 Zabriskie Point: davor und danach

    12.12.2014 Xmas3

    14.11.2014 Klick it

    20.10.2014 herbstpartie-y

    23.09.2014 Dort – wo uns die Sprache erfindet

    27.08.2014 Zukunft war gerade – und jetzt!

    06.06.2014 Ein Sonntag im Mai

    29.04.2014 Damals - Zeiten der Unruhe

    24.03.2014 Krieg - Art

    14.02.2014 Cooperale

    11.11.2013 Straßennarben

    10.10.2013 Das blaue Wunder - eine Brücke

    05.09.2013 Belämmert mich - nicht.

    05.08.2013 Take Care – cam me free

    06.07.2013 Kunst-Aufwertung

    03.06.2013 Über Kinder der Iris

    13.05.2013 Grundlagen. Wer lehrte die Biene?

    27.03.2013 Venedig

    08.03.2013 HAARP - Harfenspieler

    29.01.2013 Keine Angst

    06.12.2012 Der Hofer wars ...

    29.11.2012 Sieben

    08.10.2012 Flashmobbing

    07.09.2012 Club-Subculture again

    02.08.2012 Keplerkoje - Gnadenlose Flut

    25.07.2012 Zuviel Hitze

    02.07.2012 Erdbeweger

    18.05.2012 LEND WIRBELT

    10.04.2012 Sturm - Kratzer am Meer

    27.03.2012 Aufruf des Erinnerns (Iden des März)

    16.02.2012 2nd Floor - stadtmuseum

    23.01.2012 Neue Heimat

    04.01.2012 Das verborgene Museum

    29.11.2011 Bleibt Papier geduldig?

    03.11.2011 Macht Platz

    19.09.2011 Much too Much . Zuviel ist Zuviel

    02.08.2011 Gries-Gardening

    18.07.2011 Eine „Annen4elfolge“

    29.06.2011 Arbeit macht über die Freiheit der Kunst freier

    26.04.2011 ...oder dem Tanz das Töten verging

    22.02.2011 3-25 ist -23

    10.01.2011 Minus 18-25

    06.12.2010 United - und eine Diagonale

    12.10.2010 “Better Together”

    24.08.2010 Smok-ie

    27.07.2010 Grauschleier „Sport und Brötchen statt Drogen“

    07.07.2010 Urbanes Verhandeln

    31.05.2010 Es gilt die Unschuldsvermutung

    30.03.2010 Black is Black

    02.03.2010 Alles Schweigen - Shining: Ein Schubhaftgefängnis - Lager - in Vordernberg?

    02.02.2010 "Jojo"

    14.01.2010 Hotel §5 MRK

    15.12.2009 Theater der Unterdrückten - das Weltforum-Theaterfestival aus Graz

    15.11.2009 Schatz des Arif

    30.10.2009 Mur-Boal

    30.09.2009 Hanedke

    13.09.2009 Daheimatlos

    08.08.2009 Parkland

    08.08.2009 Daheimatlos

    10.06.2009 Kunst sollte man auch kaufen

    05.05.2009 Einmal Arbeit genügt.

    14.04.2009 Akademie Ortlos

    09.03.2009 Frühlingsverfolgen

    02.12.2008 Transkaukasische U-Boote

    08.10.2008 Shanti-Kunstsitzen

    12.09.2008 BECAUSE

    10.07.2008 REGIONAL (e)

    27.06.2008 Frühsommerspiele

    08.04.2008 Nico will es wissen

    05.03.2008 Alles Schall und Rauch

    05.03.2008 Die üblichen Verdächtigen

    23.02.2007 Über fall?

    05.07.2006 Bürgerwehren, Bettler und Fremde I

    04.07.2005 Nicht jeder ist eine Minderheit?

    13.06.2005 Gugi TV

    31.03.2005 Frühlingserwachen

    09.03.2005 Alles Lug ..?

    25.02.2005 Frauen in die Küche – Keller unter Wasser

    31.01.2005 „Melodie“

    25.01.2005 Amen Dschijas

    10.11.2004 Mr. President

    05.10.2004 Zeit der Zigeuner Teil II

    04.10.2004 Zeit der Zigeuner (1. Teil)

    22.09.2004 Adieu Marius

    14.09.2004 He romare!

    09.09.2004 Vielleicht kalt duschen .....

    28.07.2004 GRAZ ERZÄHLT

    21.07.2004 Aufgabe: „Alavitien“

    24.06.2004 Wie du sagen „Kassa"

    09.06.2004 Kindermusiker oder der Bürgermeister, der Pfarrer und die Diva


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