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Alles Schweigen - Shining: Ein Schubhaftgefängnis - Lager - in Vordernberg?

Vor dem Berg. Es waren Juden – damals 1945. Im Netz ist zu lesen, wie in die Marschkolonne hineingeschossen wurde, wie sich die Frauen und Männer über den Berg schleppten, zusammenbrachen, begleitet von mörderisch derben Sprüchen, begleitet vom Mob der Dörfler. Diejenigen, die sich inmitten von Verlust und gerade deshalb zum Trotz über die Schwächsten hermachten, mit derben Gewehrkolbenhieben, ihrer Wut an den Fremden, nahezu Unbekannten, freien Lauf ließen und Salven in die Reihen schossen. „Alles Schweigen“ dokumentierte die Jahrzehntelange Nicht-Auseinandersetzung um die Todesmärsche bis Mitte der 90er Jahre hinein, die Ausstrahlung des Filmes sodann auf einen unpopulären Termin verdrängt und somit kaum wahrgenommen. Das Schweigen findet im rostbesetzten Wort „Skulptur“ seinen „eisernen“ Ausdruck, den der Kälte von damals – Schnee lag am Pass – offenbar mit den Fallenden entsprechen wollend? Scharfkantig, schneidend von schamvoll erzerner Röte fällt mein Gedanke auf ein anderes Mahnmahl, in die sich eindringenden Blüten von Jasenovac. Ein anderer „verdammter Baumeister“ hat die uneinholbare Vorgabe geleistet, was dem Gebirge an fließender Formensprache, das Leben huldigend, wieder nicht einfallen will. Der spiegelgleiche Nachbar entpuppt sich nicht gleich auf den ersten Blick als ungarischer Jude auf dem Fußmarsch nach Mauthausen, wo die Verbrennungsöfen aus Auschwitz noch nicht angekommen waren; stattdessen? ging man in Jugoslawien weiter und gab dem Bürgermeister von Belgrad, Bogdan Bogadanovic, die Gelegenheit, dem Gedächtnis auf die Sprünge zu helfen, auch wenn eben der Lagerkomplex in Kroatien liegt: Hauptzweck war die Vernichtung von Juden, Roma, Muslimen, Serben, samt ihrer Angehörigen und Kinder sowie die Ausrottung von Angehörigen der serbisch-orthodoxen Kirche. Eben auch dorthin wurden ungarische Juden gebracht. Hier heroben um den steirischen Präbichl schuppt sich die Stadt in ihrer erzenen Verlassenschaft. Ob ein Viertel des Ortes Eisenerz bereits verlassen ist, wissen die Verantwortlichen wohl am besten zu berichten? Ob ihre Blicke nach Brüssel oder vom Pass südwärts ziehen, bleibt fragwürdig, ebenso wie die alte Sage eines mit Pech bestrichenen Mannes, der das Erz für immerdar versprach? Die ökonomische Tristesse scheint in zeitlicher Wiederholung Katastrophen nur zu gerne ins Auge sehen zu wollen. Die alten Hochöfen stehen eben still vor dem Berg – und hinter dem Berg spielt manch einer mit dem Gedanken, ein internationales Zentrum für Katastrophenschutz zu etablieren, um Verschüttungen, Murenbagänge, Erdbeben simulieren zu können? 2012 schlägt mit voller Dimension durch wie die Bereicherungsabsicht, auf Kosten von abermals Asyl suchenden Flüchtlingen seinen Lebensunterhalt zu bekommen. Wenn nicht hier an der hinteren Talseite das Haftzentrum errichtet wird, wird es woanders gebaut werden. Man sucht das Ende eines Anfangs in Vordernberg am Talkopf, für viele das Ende der Welt. Schubhäftlinge, woher auch immer sie kommen mögen, brauchen nicht zu wissen, wohin sie in verdunkelten Wagen gekarrt werden; in eine Idylle, die mit den Todesmärschen nur zu Nahe in Verbindung steht, bevor unweit - sind es 60, 160 oder 260 - Arbeitplätze geschaffen werden? Ein junger Architekt spricht die Gefahr von Albert Speers KZ-Architektur an, die im Raum – bei einem international ausgeschriebenen Wettbewerb – im heimischen Innenbau schlummert. Man könnte Eberau ebenso als innenpolitisches Mahnmahl ausführen: „Ein Gefängnis. Eine dumpf-dreiste Hofanlage, die an eine vergessen geglaubte Epoche erinnert. Hoffentlich kein gewollter Zynismus, sondern ein Dokument von Unfähigkeit.“ Selten waren sich prominente Architekten so einig wie bei den Entwürfen für das Asylerstaufnahmezentrum in Eberau. So nicht!“ (Die Presse, 16.1.2010, Ulrike Weiser). Hier geht es nicht um Schutzbedürfnisse sondern um klare Positionierungen im Außenbereich, der grenzlastig auf Kosten von Menschen geht. Die Echos werden in Vordernberg zwischen den Talseiten verhallen, eine Kontrolle von Institutionen und zuständigen Gremien wie dem Menschenrechtsbeirat werden offensichtlich erschwert –nahezu unmöglich. Wo wir wieder „Alles Schweigen“ anreißen und das Phänomen der Verdrängungsmuster in Ablenkungsmanövern innerhalb anderer Krisen. Das Bauvolumen des Schubhaftkomplexes wird mit 15 Millionen Euro angeführt; eine Summe, die weit besser in Integrationsmaßnahmen eingebracht werden könnte, wie „Bock for president“ fast allzu deutlich ausführt. Das Mariazeller Land erinnert sich dabei offensichtlich nicht mehr an den letzten Papstbesuch, wo der „heilige Vater“ die braun-hölzerne-Madonna ausgezogen hatte, ihr den Umhang der Monarchie abgenommen, um so auf eine indo-afrikanische Herkunftsmöglichkeit aufmerksam zu machen – hinter dem Berg, gar nicht so weit entfernt. Diese „alte Zigeunerin“, eine Wanderin, auf der Flucht hach Ägypten spielt die Zeit frei und wird unerkannt wieder vergessen. Statt der Schwerindustriearbeit schiebt sich ein Aufseherstand in den Vordergrund, der den Ort prägen wird – aus dem „Lager“, der Haft kommend. Ideale Plätze sind uneinsichtige Plätze, wie die Vor-dem-Bergler in der Annahme, dass sie irgendwelche menschlich verständlichen Voraussetzungen in eine gerechte Richtung dafür mitbringen. Der Schatten des Präbichl hat noch keine zusätzlichen Leichen freigegeben, die im Hungerstreik befindlichen Zwangsbeglückten, sind noch nicht mit der Geschichte jener Todesmärsche vertraut und Fluchtpunkte, Routen und Abschiebevoraussetzungen wie Praktiken offen. Blauäugig wird im Hinterland mit eiserner Schwerfälligkeit kokettiert, während Waffenlobisten in gekaufter Freiheit ihr legales Unwesen treiben. Wie schon der Saualmkomplex die krassesten Denkpraktiken aufwies, zu staatlich regionalen Regressionssystemen fähig, um aus rassistischer Motivation polemisch eine „Hetz“ rund um brustwarzensaugende "Ländesväter" zu veranstalten. Es macht auch keinen Sinn, solche Unbewusstheiten an einer Dattel kosten zu lassen, um Einsichtigkeit über den Jux unter jeder Sau hinaus zu zeugen; ebenso wenig der schwarzen Madonna einen Grund, ihre weiße Milch auf jene bierschgewängerten Lippen tropfen zu lassen um ein innerstes Bekenntnis – Marifet - zu erzeugen. Andersschwangere BZÖler haben sich vorab schon zum Bruderkuss im Vatikan eingefunden, um mit Sektorendenken und Zonengliederung ihrem Slogan „Wir Säubern“ in der vormaligen Stadt der Volkserhebung – Graz – mit eisig-eisernen Kalkül dem schwarzen zerlumpten …………… in eigenständige Sektoren verweisen möchte. Selbst wenn NGOs wie Zebra die Schubhaft als fragwürdig und zweifelhaft anprangern und das Wort „Lager“, „Lagerkarte“ im öffentlichen Sprachgebrauch steht, bleibt ein verantwortungsvoller Umgang über den Sprachgebrauch hinaus zweifelhaft. Der Europäische Gerichtshof in Straßburg sowie das Flüchtlingskommissariat der UN und die zuständigen Beiräte werden bemüht sein, sich in der entsprechenden Schärfe im Vorfeld zu äußern, um diesbezüglich auch im erweiterten europäischen Rahmen Richtlinien klarzustellen. Und das vor-dem-Berg Vordernberg muss sich eingestehen, dass hinter-dem-Berg trotz aller Sinnentleerung eine Öffnung stattfinden wird müssen, um etwaige Missverständnisse abzuschaffen....



[Kolumne/n.nagy/02.03.2010]







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    Kolumne - n.nagy


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