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Mur-Boal

Der Manager schaute mich an, seine Augen starrten ins Leere. „Hast du verspielt“, fragte ich ihn. Nach einer Pause holte er Luft. „Nur die Abfertigungsansprüche“ - die sind verloren, irgendwo in den Leitlinien der nach außen unsichtbaren Spekulationen sich ausgeliefert zu haben. „Egal, wir müssen eben Angestellte entlassen“, meinte er lapidar, als würde er über Glasmurmeln reden, die er in Kiesgrube rollen ließ. Einkaufsmeilen haben die Stadt fast vollständig eingekreist, ein äußerster Konsumgürtel, der mit allen Mitteln verteidigt werden will. Diese Mallwelt saugt an der inneren Struktur ebenso wie an der Äußeren, eine Bannmeile der Manipulation aus dem Kaufrausch der Elterngeneration geworden. Unweit des Uhrturmschattens plant man heute eine Polizeikaserne, wogegen ist anzunehmen ... Nach einer Pause setze ich nach. „Und wenn die Krise durchschlägt, was dann?“ „Dann schieben wir alles wieder weg“ , gab er sich klar und deutlich. Wegschieben? Wohin? Eine selige Erinnerung trat mir ins Bewusstsein, die den Typen kaum interessieren dürfte, dass hier nämlich einmal ein türkis-blauer Teich im Grünen eingebettet lag, von goldgelbem feinem Sand umgeben. Die Großmutter offenbarte uns ihr Geheimnis, hinter dem Buschland, hinter Weiden. Die Erinnerung ist verbaut, wenn alles weggeschoben verbleiben Schutt- und Ödland. Und die Mall-Maschine zieht ihrer „Natur“ folgend weiter. Aus eigennützigsten Interessen. Ebenso in der grünen Höhle: Der Ortswechsel führt mich in die Niesenberggasse, wo ein Architekt eine Abfertigung erwartet. „Verzockt.“, hallte die Stimme des Managers nach, während der innere Ring nach Möglichkeiten sucht den Gürtel enger zu schnallen, den Kaufrausch nach Innen sich einzuverleiben. Der Garten mit dem Lagerfeuer, die feurigen Feste im Widerschein, das Studium der Vögel vergessen. Kaufkraftabwanderungstendenzen sind aus der Schuldnerfalle heraus inakzeptabel; ein konkurrenzierendes Ranking der Ungewidmeten startet, wie das Prozedere um die Staustufen. Der Murpark muss an sich für die Zweckentfremdung herhalten, das Wort dem ursprünglichsten Sinn beraubt. Die Umweltziele sind selbst in den Millenium-Goals verankert. Die kennt er nicht. Seine Goals sind andere. Der Fluss muss gebrochen herhalten, wie jene nichtssagenden Karikaturen auf den Plakaten des Bauträgers im Augarten. Die freiheitsuchenden Gesichter der Indigenas sind im Bauschutt untergegangen. Aus den Gesichtern wurden Retorten gezeugt, die in ihrem eben Dastehen wenig Sinn ergeben. Tritt man näher an jene augenlose Köpfe heran, beginnen sie sich in den Plastikmaschen aufzulösen. Der Augarten wird so kaum aufgewertet. Einer der Manager steht da, nachdem er mit Sekt seine Präsentation versüßte, am nord-westlichen Eck, vor ihm die Synagoge, und markiert sein Territorium mit dem Geruch nach zu schließen nicht unbedingt Edleren als der Schaumträumer zuvor. Die Lücke des Komod lässt einsam und verlassen einen Gruß im spekulativen Raum zurück. Wenn der Fluss, einer Animation nach zu schließen, aufgestaut, haben geistreichere Animateure einen Hundebadeplatz am Augarten geplant, vor dem Boote auf-ab, an der künstlichen Welle vorüber, vom Flussterrassencafe der Nagl-Capana betrachten. Muss man noch die Junkies vertreiben und die Spritzen einsammeln - einem edleren Traum Folge leistend. „Hast du verspielt?“, fragte ich ihn und erhielt diesmal keine Antwort von jener sprachlosen Karikatur. Ich lehne auch den Schaumwein ab. Danke, ich habe im Theater der Unterdrückten angestoßen, wo idealere Gegebenheiten abverhandelt und sogar ansatzweise gelöst. Boal lässt grüssen....



[Kolumne/n.nagy/30.10.2009]







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    Kolumne - n.nagy


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    08.10.2008 Shanti-Kunstsitzen

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