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Mein K(r)ampf

Wie weit das Erbe, der lange Arm der nationalsozialistischen Erbschaft, in die Zukunft reicht, kann ich nur vermuten. Bis ins vierte Glied offensichtlich, und dies, um Hitlers Hetzschrift “Mein Kampf” beim diesjährigen steirischen herbst 2015 zu ent-mythologisieren. Ein Service des Rimini Protokolls, um eben gerade hierzulande Hetze aus ihrem fundamentalen Zusammenhang heraus zu erkennen. Und dies sei ein sadomasochistisches Anliegen, wie mir ein niederländischer Schriftstellerkollege versicherte. Das Erbe einer lustvoll-masochistischen Zerfleischung, wie sie von vielen Autoren, die in ihrer Kindheit von Karl May geprägt waren, aus der Zeitmaschine heraus, vollzogen wird. Ob das dem Avantgardeanliegen des Festivals über die Zukunft hinaus dientlich sein wird, muss im repetitiven Rhytmus von Wahrheitssuche und Zwangslastigkeit eben aus jener Zukunft her beurteilt werden. Die Gegenwart verspürt in dem masochistischen Treiben eine paranoide Schubumkehr bis die 30er Jahre zurückwärts. Es swingt auch gleichzeitig. Ob dies nun mit H.C. Straches “Oktoberrevolution” oder mit verschwörungstheoretischer Panikmache zu tun hat, oder von einer unkontrollierbaren Völkerwanderung aus Süd-Ost, bleibt bei allen analytischen Versuchungen und Vergleichen fast perspektivelos offen. Wien als lebenswerteste Stadt – was für ein vielsagender Titel – überhaupt, wird nach Linz nun als Stimmungsparameter gesehen werden, wie weit “rechts-rückwärts” eine Gesellschaft aus einer Zukunftssicht aus ihrem manipulativ-paranoiden Schub her gedrängt wird. Alles ist fast gleichzeitig spürbar, wie die sadomasochistische Neigung der österreichischen wie auch deutschen Täterseele sich in diesen Schmerzmustern zu beschatten. Es geht ja dabei nicht mehr um das aktive Verdrängen und Verleugnen, sondern um eine Aktivität, die uns gerade eben auf eine Vergangenheit einpolt, die wir in den 90er Jahren über den Spiegelgrund am Steinhof aufgearbeitet glaubten. “Aber überall, wo man in seiner Tiefenschau zu kratzen beginnt, dort kommt eine braune Sauce nach oben,” sagte mir mal ein jüdischer PR-Manager aus Pötzleinsdorf. So wie der Landecker Arzt Werner Vogt unlängst auf dem Podium der Auswege-Diskussion, veranstaltet von KIG! und dem Wieser Verlag, andere politische Zielsetzungen über den Spiegelgrund hinaus - das österreichische Erbschaftsvermögen beträgt 1200 Milliarden Euro - bestaunen musste. Eine beinahe unvorstellbare Summe an erbgebundenen Vermögenswerten, die Begriffe wie “Helfen” und “Teilen” in ein anderes Licht rückt. Der Umverteilungswille steht da hilfesuchend auf seiner Auswegesuche in einem politischen Selbst- wie Solidaritätsfindungsprozeß. Und fast gleichzeitig erhebt sich, verständlich, die Stimme des langjährigen ORF Kriegsberichterstatters Fritz Orters, der vor einer zunehmenden Radikalisierung von perspektivelosen jungen Männern aus vormaligen Kreigsgebieten in Österreich warnt. Männer, “der Verfassungsschutz sei gut beraten,” so Ortner, die unter Beobachtung zu stellen wären. Diese Kontrollemuster, aus den jeweiligen Kampfgeschichten heraus, bedingt und verständlich, überlagern diesmal zeitgemäß und direkt jeden Rückblick. Wie die Flüchtlingsstromanalyse überhaupt. Und gerade die Ängste eben davor arbeiten in unserem Naheumfeld weiter und schieben NS und IS näher aneinander, als man das zeitgleich eben sehen möchte. Beinahe krampfartig bedingen und benutzen sich die beiden Pole einander und spielen sich wechselseitig den Kampf wieder und wieder zu. Wie weit der eigene Kampf dabei eine eigenständige Rolle zu spielen vermag, kann in diesen Schlagschattenlandschaften nur schwer abgesehen werden, zumal ja auch das Umfeld mehr und mehr an Courage und kämpferischer Natur über die Wahlkämpfe hinaus einfordert. Hierbei stehen diesen Herbst auch zwei Wettbewerbe im Raum, die Couragette der Grünen, wie ein Filmwettbewerb über Kunst mit dem Thema “Nationalsozialsimus” im öffentlichen Raum. Und gleichzeitig steht die Gefahr bildhaft im Raum, dass ganze Wählerschichten in Wien vor Strache in die Knie gehen. Zuletzt spielte er in einer öffentlichen TV-Diskussion das Lamm und gewann eben mit dieser Strategie wieder und weiter. Er ließ seine Gegenüber diesmal “königskomödienhaft-verspielen”, könnte man theatralisch meinen. Dabei sucht die avantgardistische Umklammerung, die gerade geschieht, ebenso wie die die k&k-kunstkuratoriInnenkuratierte Kunstpolitik, nach einer Neueröffnung. Und ob Judith Schwendtner aus dem Nationalrat heraus Lisa Rücker nachfolgen wird, wird sich dabei ebenso “in der Zukunft” zeigen. Dabei ist ein endzeit-kunstphilosophischer Diskurs um das Kulturschaffen im Land Steiermark in Gang gesetz. Und für nicht Wenige stellt sich die elementare Frage des Überlebens im Kunst-und Kulturschaffen, die Frage eines von Krämpfen umverteilenden-solidarischen Miteinanders.


Foto: commons.wikimedia.org/wiki/File:Kampf_zweier_Eisvogelweibchen.jpg>
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[Artikel/n.nagy/16.10.2015]







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    Artikel - n.nagy


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