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Bissigkeit, die Spaß macht

Der Begriff Pop-Art ist von Männern geprägt worden. Weibliche Sichtweisen waren von Anfang an so gut wie ausgeschlossen. Auch Feministinnen trugen zur Verfemung der weiblichen Kunst der Pop-Art-Jahre bei. Zu humorvoll und sexlastig war dieser Ansatz für damalige Verhältnisse. Das wird nun in der Ausstellung „Power Up“ gerade gerückt.

Im Wiener MuseumsQuartier (MQ) ist viel los im Herbst. Das MUMOK zeigt seit letzter Woche die Ausstellung „Hyper Real“. Am Freitag eröffnet sieben Meter weiter in der Kunsthalle die Schau „Power up - Female Pop Art“. Auch in der MUMOK-Ausstellung spielt Pop-Art eine Rolle: als wichtiger Einfluss für die realitätsnahe, figurative Malerei. Deshalb hängen in einem Winkel Bilder von Mel Ramos. Eine Kunstkritikerin ereiferte sich bei der Eröffnung gegenüber Kolleginnen, dass ihr jedes Mal schlecht werde, wenn sie diesen „sexistischen Scheißdreck“ sehe.

Man muss Ramos nicht auf diese Weise rezipieren, man kann seine Bilder von idealisierten Pin-ups mit Konsumprodukten und Tom Wesselmanns schematische Nackte auch als kritischen Kommentar auf Sexploitation und Kommerz lesen. Viele Künstlerinnen seiner Zeit dachten jedoch wie die Journalistin im MUMOK. Ihnen ist die Ausstellung in der Kunsthalle gewidmet. Explizit feministische Werke wie jene von Martha Rosler sind dort genauso zu sehen wie „Love and Peace“-Druckgrafiken der Ordensschwester Sister Corita und Evelyne Axells knallige Akte. Aber was hat das alles miteinander und vor allem mit Pop-Art zu tun?

Doppelt übersehen

Diese Frage beantworten im Katalog zur Ausstellung die New Yorker Kunsttheoretikerin Kalliopi Minioudaki und Kunsthallen-Kuratorin Angela Stief in luziden Texten. Es gelte, den Pop-Art-Begriff zu erweitern und einige Künstlerinnen dem Vergessen zu entreißen. Denn die Definition von Pop-Art wurde von männlichen Kunstkritikern in den 60er Jahren ganz auf die männlichen Vertreter des Genres maßgeschneidert. Die Frauen wurden dabei übersehen.

Auf der anderen Seite wurden die weiblichen Künstlerinnen, die in der Ausstellung nun der Pop-Art zugerechnet werden, von feministischen Kritikerinnen verfemt, weil sie sich doch der Pop-Art, die als sexistisch galt, angedient hätten. Erst heute, in Folge der dritten Welle des Feminismus, ist eine neue Rezeption der weiblichen Kunst der „Annees Pop“ möglich. Manches in der Ausstellung darf als Wiederentdeckung gelten, anderes wird zumindest erstmals in diesem Kontext gezeigt.

Selbstbestimmte Lust

Humor und Sex, weibliches Verlangen, selbstbestimmte Lust, manipulierte Pornografie - gegen sich selbst gewendet: Die gezeigten Künstlerinnen haben gemeinsam, Selbstermächtigung der reinen Kritik am Gegenüber den Vorzug zu geben. Theoretisch gefestigte Positionen, in Werkblöcken den einzelnen Künstlerinnen zugeordnet, werden in der Kunsthalle so präsentiert, dass nicht nur als Kommentar zur Gesellschaft, sondern auch als ästhetisches Statement und Unterhaltung gelesen werden können.

Allen Jones ist mit Sadomaso-Bildern vertreten. Jann Haworths Lindner Doll mit ihren Riesenbrüsten ist raumgreifend. Sister Coritas Druckgrafiken sind Botschaften der Liebe und des Friedens - sie eckte in der Kirche damit an. Martha Rosler kritisiert die Rolle der Medien bei der Konstruktion von Schönheitsidealen im Rahmen der Serie Body Beautiful, or Beauty knows no Pain. Dorothy Iannones Sexbilder muten ethnographisch an. Evelyne Axells vor Selbstbewusstsein strotzende Nackte in erotischen Posen waren Feministinnen früherer Jahrzehnte ein besonderer Dorn im Aug.

Einen Schritt weiter

Niki de Saint Phalles rundliche Nanas sind ebenfalls ein Kommentar auf das westliche Ideal der Frau als schlankes Püppchen. Kiki Kogelniks Tongue Operation problematisiert die Lähmung der weiblichen Sprecherposition. An der strukturellen Benachteiligung von Frauen hat sich seit den 60er Jahren viel zu wenig geändert. Aber diese Lähmung scheint, zumindest im öffentlichen Diskurs, überwunden zu sein.

Hier muss die Ausstellung „Power Up“ keine Arbeit mehr leisten. Vielmehr nimmt sie die Aufgabe war, die Stellung der Frauen in der Kunst für eine ganze Epoche zurechtzurücken. Während sich die männlichen Kollegen der Mechanismen der Konsumwelt bedienten, um Pop-Art zu machen, gaben die Frauen bereits bissige Kommentare auf diese Mechanismen ab. Diese Bissigkeit macht Spaß, sie fehlte bisher im Pop-Art-Kontext.

Quelle, Links, Bilder, etc. siehe >> orf.at...




[News/News/04.11.2010]







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