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Ein schwarz-grüner Geschenkvorschlag

Erneut ist der alte Traum von der gesamtbürgerlichen Einheitsfront blamiert; das so machiavellisch wie letztlich doch patschert herbeigeführte Scheitern der schwarz-grünen Koalition in Graz führt uns dankenswert deutlich vor Augen, was eh schon klar war: Eis geiht si neit aous. Eis kaounn si neit aousgein. Das unansehnliche Gesupp aus Markt-, Monstranz- und Menschenrechts-Fetischen war absehbarerweise dazu veruteilt, alsbald in seine ebenso unansehnlichen Bestandteile zu zerfallen (um in der Suppen-Metapher zu bleiben: Unten der schwarzbraune Schlatz, obendrüber die dünne grüne Brühe, dazwischen eine orange schimmernde Schicht von Trüffeln à la Capitaliste; das Ganze angereichert mit heimischen Biogemüsestückchen). Die Verachtung bzw. offene Bekämpfung der Armen, Ausgegrenzten und Verdreckten verträgt sich eben nur unter sehr bestimmten Bedingungen mit dem schlechten Gewissen der Bürgerkinder, das den Wunsch befeuert, man mögen nicht ständig mit Armut, Ausgrenzung und Dreck konfrontiert sein.

Schön, dass die Aufkündigung der Koalitionszusammenarbeit für keineN der Beteiligten irgendwie mit echtem Machtverlust verbunden ist (weil jetzt halt bis zur Wahl das "freie Kräftespiel" Einzug hält). Ansonsten hätte man sich unter Umständen darum bemühen müssen, bei der Terminsetzung der direktdemokratisch aufgemascherlten Propagandaübung in betr. Reininghausgründe einen vernünftigen Kompromiss zu finden. Aber ach, da ging es dann plötzlich um "Gesprächskultur" und unhintergehbare Prinzipien. Was offenbar nicht für z.B. den Anti-Punk-Käfig (vormals Pavillon) im Stadtpark oder die Öffi-Preiserhöhung galt. Naja. Prioritäten braucht der Mensch.

Aus Anlass dieser guten Nachrichten, zur Erbauung und (erneuten) Belehrung des grazerischen Wahlvolks (dass' nachher net heisst, ich hätt' nix g'sagt) - zugleich auch an die Adresse der FreundInnen des demokratiepolitischen Selbstbetrugs in Oberösterreich, Baden-Württemberg und in der Redaktion des 'Standard' - erlaube ich mir, an dieser Stelle zu präsentieren (Trommelwirbel!):

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Die schwarze und die grüne Sorte Blödheit.

Eine Grazer Tragödie in zwei Zitaten.

"...dass der Glaube vielleicht für diese Menschen dazu führen könnte, dass sie mit dieser Form des Zusammenlebens aufhören." (Bgm. Siegfried Nagl über Homosexuelle)

"Es [das Überdenken obiger Position zum Thema 'Homosexuelle', anm. Schmitzer] wurde ihm erleichtert, nachdem er mich kennengelernt hat. Er machte früher keine Termine mit Organisationen aus diesem Bereich. Inzwischen lädt er zu Gesprächen ein. Er wird nie ein überzeugter Kämpfer für die Rechte der Homosexuellen sein, aber es reicht schon, wenn er keine Tipps gibt, dagegen zu beten." (Vizebgm. Lisa Rücker über Nagl)

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Nun eignet sich nichts besser zum Schenken als Produkte der Kunst oder des Kunsthandwerks - solche Produkte zumal, die Leben, Leiden und Ansichten des/der Beschenkten in ansprechender Weise kommentieren und ihn/sie, wie das in all den Mittelschul-Aufsätzen so schön hieß, "zum Nachdenken anregen".

Deshalb: Sie, liebeR LeserIn, haben eine arrogante Kapitalistensau oder einen unleidlichen Kerzerlschnalzer unter Ihren Verwandten bzw. Freunden? Gar eineN BourgeoisE BohemienNe, randvoll mit liberal guilt, der/die das Kunststück fertigbringt, den eigenen Status als Werbegrafik-ProletIn am Existenzminmum zum "neuen Erwerbsmodell" hochzustilisieren und der/die Ihnen regelmässig die Ohren über Regionalgeldmodelle abkaut? Ihr Onkel ist ein hauptberuflicher Hausbesitzer? Ihre Tante eine Ökofaschistin? Ihr Sohn glaubt daran, dass ein "neues Marktbewusstsein" her müsste, und vertreibt sich die Zeit bis dahin damit, eine Web-PR-Agentur exklusiv für "gute" Projekte zu betreiben? Und es ist wieder einmal an der Zeit, diese ganz besondere Person in Ihrem Leben zu beschenken? - Dann schenken Sie doch Kunst in Form des obigen Dramoletts!

Ob als Videoinstallation oder Kissenstickerei, als Hinterglasbild aus dem Pfarrkindergarten oder perfekt gekernte Typographie-Stilübung mit "ironischem" Bildsujet - der Text der beiden obigen Zitate garantiert den Beschenkten Stunden der Freude - Ihnen hingegen, liebe LeserIn, winkt 2013 ein weniger deppertes Wahlergebnis als beim letzten Mal (vorausgesetzt, es machen genug Schenkungswillige mit)!

Text und Bild: Stefan Schmitzer

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[Kolumne/S.Schmitzer/12.06.2012]







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