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Theater der Unterdrückten - das Weltforum-Theaterfestival aus Graz

Julian Boal hatte seinen Auftritt – dieses Jahr übernimmt, was übernommen werden muss – immer in Bewegung, fordert er zielsicher in logischer Konsequenz das Vatererbe weiter ein gemeinsam mit Barbar Santos und Sanjoy Ganguly. Auguste Boal ist dieses Jahr verstorben. Das Theater der Unterdrückten ist nicht als Therapieform zu sehen, zu sporadisch schneidet das „Stopp“ die Szene, rüttelt wach. Erst ein Brand fordert schließlich den Gefängsnisdirektor zu einer zunächst verweigerten Gesprächsbereitschaft heraus. Schade, dass die Theatermacher aus Graz dieses einmalige Festival so teilnahmslos vorüberziehen ließen. Welttheater ist kein Argument. Avignion spart nicht mit Kapitalismuskritik und ironischen Seitenhieben gegen neoliberale Strukturalismen, schafft über die Interventionen genau das, was Theater so selten vermag: einen gemeinsamen Walzerreigen zwischen Publikum und DarstellerInnen mitten im Stadtzentrum. Im Futternapf dennoch bloß 50 Cent und kein Hund zu sehen. Dafür wanderten Schuhe im Kreis, von Hand zu Hand, nicht gegen die Fratze der Obrigkeit geschleudert; Schuhe, die von Opfern herstammen könnten, verständlich über menschenleeres Zentrum, wo bloß Schritte rasselnden Atem folgten. Teheran lässt mit gewissenhaft scharf-tragischer Groteske grüßen; sufistische Interpretationen stehen mit jener thematischen Absurdität im Einklang und liefern fundamentalen Wahntendenzen einen dadaistischen Schlagabtausch. Hatte nicht schon Samuel Beckett gesagt: „Wenn mir die Scheiße bis zum Halse steht, was bleibt mir als zu singen.“ Zwangsmuster und Normverhalten innerhalb der Genderproblematik sind fast allen Stücken vorrangiges Anliegen. Widerstand erfährt verschiedenste Ausprägungen und globale Auflösungen und bringt so die klassisch deutsche anarchische Wohngemeinschaft ins Wanken; aus den Tonnen der Brandleger formen sich Trommeln; ein Marsch erlöst sich in Sambarhythmen. Pausen der Sprachlosigkeit bereichern. Im Angesicht des Todes Boals verbleibt nur der Atem jener langgestreckten Pause. Je härter die Zwangsmuster der Unterdrückung, desto feinfühliger der methodische Ansatz. Indien schafft mit dem Weniger weit mehr, entlarvt politische Machtmechanismen und Patriarchalismen, ausgelöst von archaischen Ritualen und ihrer innenliegenden Bildsprache. Die schwarzen Verschleierungen haben sich über das pupurne Rot jenes Kopftuches einer kurzgeschorenen Jokerin, deren blonde Locken sich im katalanischen Gegenüber offenbarten, entschleiert; ein mehr als versöhnende Geste – die Kastrationsangst vor radikalfeministischen Attacken verliert sich in den höheren Potentialen der Transformation von Schmerz. Die Kanadierin aus Jamaika, welche mit einem Einreiseverbot belegt war, wurde zusehends durch eben jene Perserin ersetzt, die diese Rolle Nacht ebenso glanzvoll ausfüllte. Nicht nur die Vielzahl der globalen Aufführungen, auch die Workshopreihen und öffentlichen Diskussionen gaben dem global-boalschen Zugang Linie und logisch-konsequente Weiterentwicklung.

Foto: Auguste Boal...




[Kolumne/n.nagy/15.12.2009]







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    Kolumne - n.nagy


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