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Aufgabe: „Alavitien“

„Früher waren hier Gasthäuser, Wein- und Likörstuben,“ sagte der Herr Pfarrer, „heute leben wir in einem Belagerungszustand.“ Mit dem ersten Halbsatz meinte der Herr Pfarrer den Griesplatz, wo gerade ein multikulturelles Viertel heranwächst. Gegenüber der Welschen Kirche ist das Flüchtlingsheim der Caritas im vormaligen Hotel 5 Lärchen untergebracht. In 5 Geschossen bis unter das Dach warten hier Menschen unter engsten Bedingungen auf ein Weiterkommen. „Das Kebab ist vorzüglich,“ sagt mir die Caritas Beauftragte als wir gegenüberliegenden Kebab Stand Platz genommen haben. „Das Kebab ist vorzüglich,“ gebe ich Ihr bestätigend zur Antwort. Sie hatte mich eingeladen, was bei den Türken nicht üblich ist, trotzdem lächelt der Wirt – Geschäft ist Geschäft. Gegenüber am Eck zur Brückenkopfgasse steht eine Satz demonstrativ vor dem neuem Laden, lockt zum Einkauf, daneben der Chinese, daneben Mevlana. „Wie in Pakistan,“ sagt die Caritas Beauftragte zu mir. „Inshallah,“ geb ich zur Antwort, „der Gries will Soho werden. „Gleich hinter den ehemaligen 5 Lärchen,“ erklärt mir der Architekt, der mich ins Viertel einführte, „hier entsteht „Klein-Marrakesch,“ ein orientalischer Markt.“ „Soso“, sage nun ich, denke was das FPÖ-Bürger-Büro dazu wohl sagen wird, komme aber rasch zu dem Schluss, die sollten sich um das gleich-bleibende-steirische- Grün der Bäume kümmern, würde ich meinen, wenn ich an den vertrockneten letzen Sommer denke – vieleicht ein Griesgiesskannenprojekt?, denke ich weiter. Am Platz steht ein Relikt der guten alten Brandweinerzeit, brüllt den Flüchtlingskindern, „Scheiss –Ausländer- Gsindl -Dreckiges“, hinerher, wischt sich das Halberbrochene vom bärtigen Maul und erweckt das gute alte Grauen wieder. Die Kids nehmen ihre Selbstverteidigung auf, „Selber Scheiss, Gschissener,“- schon sind sie um die Ecke verschwunden, den torkelnden Alten hinter sich gelassen. Vor der Oase, dem Bosnier, Platz – Raum – und doch kein Marktstandl, nicht einmal eines ... In dieser ethnischen Vielfalt keinen Markt – oder wenigstens einen Platz der Gaukler und Fakire (ich seh noch keinen Inder) zu installieren, grenzt an eine selbstauferlegte Platzerhaltungsstrategie, bereit - für welchen Aufmarsch auch immer – erhalten. „Gehen Sie bitte die Brunnengasse hinunter zur Thaliastrasse (1160 Wien), und sie werden wissen, was ich meine,“ sage ich zu dem Architekten, der mir „erklären“ wollte, dass das so einfach nicht gehe. „Wie kompliziert denn auch immer?“ frage ich ihn. „Es ist doch Ihre eigenanständige An- wie Aussichtsache Herr Dr. Dipl Ing? Der Platz verdämmert zwischenzeitig vor sich hin, als warte auf seine Besatzer!“ werde ich nun der Mehrdeutigkeit bewusst lauter. „Befreier,“ gibt er bei, „- wo Wille da auch viele Wege zum Ziel.“ „Man kann nur auf Sie hoffen,“ sage ich, „und dass die zuständigen Stadtverantwortlichen-Stimmen nicht eine Eintopfung des Platzes in angesicht eines „befremdenden Szenarios“ in Aufrtag geben werden, was nach seiner Anfrage bei einem Topf samt Pflanze 4 Euro Miete/Tag kosten würde. „Bei,“ ich rechne nach – „nur 10 dieser Topfkirschen, kommt die gepflanzte Tagesmiete der Monatsunterstützung einer afgahnischen Mutter gleich,“- „ was zu einem Erklärungsnotstand der Gerechtfertigung,,“sagt er nun darauf, „führen dürfte.“ „Das überteuerte Eingetöpfte werde nicht in die nähere Auswahl kommen,“ gebe ich mich in guter Hoffnung – „und der Platz wird den Menschen geöffnet werden,“ sagt er zuguterletzt. „Alte Händler,“ hör ich den Aleviten murmeln.
Der zweite Halbsatz des Herrn Pfarrer befremdet zumal er den Zustand von seinem St. Andrä bezeichnete, wo Romamusiker und nigerianische Gemeindebürger Platz genommen, wo tschetschnische und alevitische Küche mehr als Grieskoch für den kundigen Gaumen zaubern, wo Musik und Tanz von kultureller Vielfalt und Miteinander zeugen. Von der Notschlafstelle schielen einige Gesichter herüber. Man muss nicht mit seinem Steireranzug zur Welt/zu Grabe getragen werden. Muss man nicht. Wir kommen/gehen barfuss, denke ich laut „Wo ist Alavitien? Wir kennen das nicht?“, fragt uns ein vormaliger Afrika-Missionar, der aus Seggau zur Taufe frischer Christen angereist war. Auch Theodor Herzl hatte das Sakrament der Taufe für die Wiener Juden vorgeschlagen, auch Andre´ Heller kann katholisch mit Tina Brauer „alavitische Lieder“ vom Berge herab und zur Kanzel hinauf singen. Gestalten wir es noch frei-offener und geben „Platz an-über-auf.“

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[Kolumne/n.nagy/21.07.2004]







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    Kolumne - n.nagy


    06.11.2017 Flüchtig

    05.10.2017 Who can it be NOW?

    01.09.2017 Kurz oder Lang

    31.07.2017 Konzentriert Euch

    20.07.2017 Kunst: eine Verantwortung

    12.06.2017 Weisses Papier

    17.05.2017 Salz im Tanz

    04.04.2017 Es wurmst

    07.03.2017 Two for Twelve

    08.08.2016 Micro Galleries

    22.07.2016 Pubculture

    21.06.2016 Spiel und die Welt

    12.05.2016 Friendly Alien

    25.04.2016 Spielfelder

    04.03.2016 WE COME AS FRIENDS

    26.02.2016 Sound the beast

    09.02.2016 Free China

    13.12.2015 Happy?

    10.11.2015 SPIELFELD

    16.10.2015 Mein K(r)ampf

    14.10.2015 Die Revolution frisst - Vereine die gerne AGs wären

    13.07.2015 Der Fremde

    10.06.2015 Vagabunden

    20.03.2015 An-Statt-TV-Land

    20.02.2015 FPF Filmpionier Bernhard Frankfurter

    28.01.2015 Zabriskie Point: davor und danach

    12.12.2014 Xmas3

    14.11.2014 Klick it

    20.10.2014 herbstpartie-y

    23.09.2014 Dort – wo uns die Sprache erfindet

    27.08.2014 Zukunft war gerade – und jetzt!

    06.06.2014 Ein Sonntag im Mai

    29.04.2014 Damals - Zeiten der Unruhe

    24.03.2014 Krieg - Art

    14.02.2014 Cooperale

    11.11.2013 Straßennarben

    10.10.2013 Das blaue Wunder - eine Brücke

    05.09.2013 Belämmert mich - nicht.

    05.08.2013 Take Care – cam me free

    06.07.2013 Kunst-Aufwertung

    03.06.2013 Über Kinder der Iris

    13.05.2013 Grundlagen. Wer lehrte die Biene?

    27.03.2013 Venedig

    08.03.2013 HAARP - Harfenspieler

    29.01.2013 Keine Angst

    06.12.2012 Der Hofer wars ...

    29.11.2012 Sieben

    08.10.2012 Flashmobbing

    07.09.2012 Club-Subculture again

    02.08.2012 Keplerkoje - Gnadenlose Flut

    25.07.2012 Zuviel Hitze

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    18.05.2012 LEND WIRBELT

    10.04.2012 Sturm - Kratzer am Meer

    27.03.2012 Aufruf des Erinnerns (Iden des März)

    16.02.2012 2nd Floor - stadtmuseum

    23.01.2012 Neue Heimat

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    29.11.2011 Bleibt Papier geduldig?

    03.11.2011 Macht Platz

    19.09.2011 Much too Much . Zuviel ist Zuviel

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    18.07.2011 Eine „Annen4elfolge“

    29.06.2011 Arbeit macht über die Freiheit der Kunst freier

    26.04.2011 ...oder dem Tanz das Töten verging

    22.02.2011 3-25 ist -23

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    06.12.2010 United - und eine Diagonale

    12.10.2010 “Better Together”

    24.08.2010 Smok-ie

    27.07.2010 Grauschleier „Sport und Brötchen statt Drogen“

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    31.05.2010 Es gilt die Unschuldsvermutung

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    14.01.2010 Hotel §5 MRK

    15.12.2009 Theater der Unterdrückten - das Weltforum-Theaterfestival aus Graz

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    30.09.2009 Hanedke

    13.09.2009 Daheimatlos

    08.08.2009 Parkland

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    10.06.2009 Kunst sollte man auch kaufen

    05.05.2009 Einmal Arbeit genügt.

    14.04.2009 Akademie Ortlos

    09.03.2009 Frühlingsverfolgen

    02.12.2008 Transkaukasische U-Boote

    08.10.2008 Shanti-Kunstsitzen

    12.09.2008 BECAUSE

    10.07.2008 REGIONAL (e)

    27.06.2008 Frühsommerspiele

    08.04.2008 Nico will es wissen

    05.03.2008 Alles Schall und Rauch

    05.03.2008 Die üblichen Verdächtigen

    23.02.2007 Über fall?

    05.07.2006 Bürgerwehren, Bettler und Fremde I

    04.07.2005 Nicht jeder ist eine Minderheit?

    13.06.2005 Gugi TV

    31.03.2005 Frühlingserwachen

    09.03.2005 Alles Lug ..?

    25.02.2005 Frauen in die Küche – Keller unter Wasser

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    10.11.2004 Mr. President

    05.10.2004 Zeit der Zigeuner Teil II

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    28.07.2004 GRAZ ERZÄHLT

    21.07.2004 Aufgabe: „Alavitien“

    24.06.2004 Wie du sagen „Kassa"

    09.06.2004 Kindermusiker oder der Bürgermeister, der Pfarrer und die Diva


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